About – Ich bin Vivian.
“Biomedizinerin, Mentorin – und eine Zeit selbst die Frau, die es im Kopf verstand und trotzdem nichts ändern konnte.”
Mein Weg
Was ich wusste. Und trotzdem nicht konnte.
Ich habe Biomedizin studiert. Sechs Jahre lang habe ich gelernt, wie Stress den Körper verändert, wie das Nervensystem auf Bedrohung reagiert, wie Bindung neurobiologisch funktioniert. Meine Masterarbeit habe ich in der Neurologie geschrieben.
In genau diesen Jahren war ich in einer Beziehung, von der ich längst wusste, dass sie nicht zu mir passt.
Ich habe mich verbogen, um nicht zu viel zu sein. Ich habe um Aufmerksamkeit gekämpft, die nicht für mich bestimmt war. Ich habe meine Bedürfnisse geschluckt, weil ich dachte, ich falle sonst zur Last. Es war eigentlich schon früh klar: Wir passten nicht zusammen. Er brauchte Freiraum. Ich brauchte Verbindung und Nähe. Mein ganzer Selbstwert hing davon ab, wie viel Zuneigung ich an einem bestimmten Tag bekam.
Sechs Jahre lang habe ich mir Geschichten erzählt. Wenn wir zusammenziehen, wird es besser. Wenn unser Alltag stabiler ist. Wenn wir eine Familie haben, sind wir endlich ein Team. Nichts davon stimmte. Und ein Teil von mir wusste es die ganze Zeit.
Das Absurde war: Ich hatte die wissenschaftliche Sprache für alles, was da passierte. Ich hätte dir erklären können, was Cortisol macht, warum mein System in Alarm war, wie Bindungstrauma funktioniert. Verstehen war nie mein Problem.
Und trotzdem bin ich geblieben. Denn wie erklärt man seinem Kopf, dass wir nicht füreinander bestimmt sind, wenn man doch den Mensch an sich so sehr liebt? Wie erklärt man seinem System, dass diese Art Beziehung dir nicht guttut, obwohl du den Mensch so schätzt. Die Antwort – gar nicht. Man kann das mit dem Kopf nicht verstehen, klären oder ändern.
Die Nacht, in der ich begriffen habe.
In der Nacht, in der wir uns getrennt haben, sass ich mit einem Tiefkühlpack Erbsen auf dem Sofa.
Mein Kopf war irgendwie erleichtert. Mein Nervensystem war im totalen Panikmodus. Jedes Mal, wenn die nächste Panikwelle kam, drückte ich mir die eiskalten Erbsen an den Bauch. Die Kälte hat die Panik für ein paar Sekunden unterbrochen. Dann kam die nächste Welle. So ging das die ganze Nacht.
Fünf Tage danach hatte ich immer noch nicht geschlafen. Denn beim Einschlafen kam immer die Panik zurück. Ich stand beruflich im OP und bekam mitten in der Arbeit einen Panikschub. Ich sah aus wie ein Schluck Wasser.
Und genau in diesem Moment – erschöpft, zitternd, kaum funktionsfähig – habe ich etwas verstanden, das ich nie wieder vergessen habe:
Das ist nicht die Wahrheit. Das ist mein Nervensystem, das noch nicht verstanden hat, dass ich sicher bin.
Ich schätze diese Beziehung bis heute. Aber mein Körper war sechs Jahre lang in einem Zustand gewesen, den er nie hätte halten sollen – und er wusste noch nicht, dass diese Zeit vorbei war.
Das war der Punkt, an dem meine Arbeit begonnen hat. Die an meinem Nervensystem.
Was tatsächlich geholfen hat.
Ich hatte Bücher gelesen. Podcasts gehört. Ich hatte das wissenschaftliche Verständnis eines Biomediziner-Masters im Rücken. Nichts davon hatte gereicht, um rauszukommen.
Was geholfen hat, war die Ausbildung zur Mindset-Mentorin, die ich parallel zum Ende meiner Beziehung begonnen hatte. Nicht, weil Mindset die Lösung war – sondern weil ich dort zum ersten Mal gelernt habe, mein Wissen in den Alltag zu bringen. Das war die Lücke, die mir gefehlt hatte: nicht mehr Information, sondern Integration.
Parallel habe ich angefangen, mit meinem Körper zu arbeiten. TRE (Trauma-Realeasing-Excercise), das ich am Universitätsspital Zürich in der Komplementärmedizin kennengelernt hatte. Meditation, die ich anders verstand, als ich sie bis dahin verstanden hatte. Bewegung, Emotionen bewusst zulassen statt wegschieben.
Und ich habe angefangen, mich selbst zu fordern. Ich habe genau die Situationen gesucht, die mein Nervensystem alarmiert hätten. Ich habe auf der Strasse Menschen angesprochen. Ich bin allein zum Salsa-Tanzen gegangen, obwohl ich kein Salsa kann. Ich habe Bäcker nach Gratis-Brot gefragt und Leute um Geld gebettelt, das ich gar nicht brauchte. Ich reiste geschäftlich allein international. Am Ende bin ich allein nach Australien gegangen und habe dort gelebt. Ich war jeden Tag allein Surfen. Und es war gut.
Ich habe meinem Nervensystem Stück für Stück eine neue Erfahrung gegeben: Ablehnung ist nicht tödlich. Alleinsein ist nicht Gefahr. Du musst nicht kämpfen, um dazuzugehören.
Das ist der Prozess, den ich heute mit anderen Frauen mache. Nicht in Australien. Aber nach demselben Prinzip.
Wer ich heute bin.
Ich bin in einer Beziehung, in der ich das mache, was ich früher nie gemacht hätte.
Ich sage, was ich brauche und zwar schon seit dem ersten Date – auch wenn es sich anfühlt, als würde ich zu viel fordern. Ich spreche an, wenn mich etwas verletzt – auch wenn mein Kopf mir sagt, er könnte mich als anstrengend oder zu sensibel bewerten. Ich verbiege mich nicht mehr, um jemanden zu halten. Ich mache mich nicht mehr klein, weil ich weiss: Der Mann, der zu mir passt , hält das aus. Mehr noch – er schätzt es.
Ich muss niemanden ändern, damit er zu mir zu passt. Und ich muss mich nicht verbiegen, um in eine Welt zu passen, die nicht meinem Kern entspricht. Das braucht Mut und unverhandelbaren Respekt für sich selbst.
Mein Nervensystem ist auch heute nicht immer still und im Zen-Modus. Darum geht es auch nicht. Es wird immer wieder Momente geben, in denen es mich in alte Muster ziehen will. Das bleibt. Die Kunst ist nicht, dass das nie wieder vorkommt. Die Kunst ist, es früh zu erkennen, einen Schritt zurückzutreten und bewusst neu zu entscheiden, wie ich diesen Moment bewerte, fühle und handle.
Das ist keine Magie. Das ist Arbeit, die man lernen kann.
Warum diese Arbeit.
Weil ich sehe, wie viele Frauen genau dort sitzen, wo ich war. Intelligent, reflektiert, informiert – und trotzdem gefangen. Und weil ich weiss, dass es nicht an ihnen liegt.
Wir haben über Generationen gelernt, unser Nervensystem zum Feind unseres Glücks zu machen. Wir haben gelernt, uns kleinzumachen. Nicht zu viel zu sein. Funktionieren, statt zu fühlen. Das ist keine Schwäche, das ist Prägung. Und Prägung lässt sich ändern.
Wenn wir anfangen, mit unserem Körper statt gegen ihn zu arbeiten, dann wird möglich, was vorher unerreichbar schien: Beziehungen, die nähren, ohne abhängig zu machen. Nähe, die sich sicher anfühlt. Klarheit, ohne Angst. Wir werden gross, ohne dafür jemanden kleiner machen zu müssen.
Dafür arbeite ich.
Ausbildung & Hintergrund
M.Sc. Biomedizin, Universität Zürich (2017–2023) Masterarbeit in der Neurowissenschaft, 2022–2023
Mindset-Mentorin, Ausbildung bei Christian Bischoff (2024–2025)
Klinische Erfahrung: Komplementärmedizin, Universitätsspital Zürich – Arbeit mit TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises)
